Die Reden zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages am 3. April 2002 in Tulowice
Stefan Warzecha, Vorsitzender des Kreisrates in Oppeln:
Im Namen der Ratsmitglieder des Oppelner Kreises, aller Mitarbeiter des Landratsamtes in Oppeln, im Namen des Vorstandes und in meinem eigenen Namen möchte ich Sie herzlich bei der heutigen Feier der Unterschreibung des Partnerschaftsvertrages willkommen heißen, und besonders möchte ich die Gäste aus dem Kreis Ludwigshafen begrüßen.
Es ist eine Ehre für mich, dass ich als Vorsitzender des Kreisrates so berühmte Gäste bei uns begrüßen darf und an dieser Feier selbst teilnehmen darf.
Mit der offiziellen Unterschreibung des Partnerschaftsvertrages gewinnt unsere Gemeinschaft gleichzeitig einen Wirtschaftspartner und Freund.
Sehr geehrte Damen und Herren
Ich erlaube mir kurz unseren Kreis vorzustellen. Der Kreis wird aus 2 Städte- und 11 Dorfgemeinden zusammengesetzt, die um die Kreisfreie Stadt Oppeln liegen.
Kreis Oppeln hat 1587 qkm Fläche und ca. 140.000 Einwohner. Er hat einen landwirtschaftlich-industriellen Charakter, ganz gute Verkehrs- und Investitions-Infrastruktur. Moderne und effektive Landwirtschaft.
Auf dem Gebiet des Oppelner Kreises befinden sich große Industriebtriebe: Elektrizitätswerk „Opole“, Kalkwerke, Tagebaugrube der Straßenrohstoffe, eine Glashütte und andere Betriebe. Hauptquelle des Einkommens der Einwohner sind jedoch private Handwerksbetriebe mit einem Produktions- und Dienstleistungscharakter.
Das Touristikaufgebot und die Geschichte geben den Oppelner Kreis einen zusätzlichen Wert. Die Seen im nahegelegenem Ort Turawa, zahlreiche Gebiete der geschützten Landschaft, Umweltschutzzonen, Wälder zwischen Stoberau und Turawa, sind Plätze, wo man sich ausruhen und entspannen kann. An die reiche Vergangenheit dieses Landes erinnern uns die bestehenden Gutshöfe, Schlösser und Denkmale der technischen Architektur, sowie die hölzernen Kirchen, Straßenkapellen und Heiligenskulpturen.
Der größte Reichtum unseres Kreises sind jedoch die Menschen – fleißig, zuverlässig und gastfreundlich. Denkend an eine bessere Zukunft für diese Menschen unterschreiben wir heute diesen Partnerschaftsvertrag.
Kreis Ludwigshafen besitzt langjährige Erfahrungen, betreffend des Aufbaus von demokratischen Strukturen, der Lösung von Sozial- und Wirtschaftsproblemen, des Baus von Bildung- und Medizinsystemen.
Ich erlaube mir die Hoffnung auszudrücken, dass der organisierte Erfahrungsaustausch, in Form von Konferenzen, Seminaren oder Workshops neue Lösungen mit sich bringt und die Arbeit in unseren noch unvollkommenen System verbessern wird. Es wird einen positiven Einfluss auf das tägliche Leben der Einwohner unseres Kreises haben.
Die heutige Feier wird ein Anfang einer neuen Epoche in der Geschichte unserer Heimat sein – Zeit der Freundschaft, gegenseitiges Lernens.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und ich hoffe, dass ihr Aufenthalt hier bei uns voll von schönen Erinnerungen wird.
Henryk Lakwa, Landrat des Kreises Oppeln:
Sehr geehrter Herr Kollege Schröter
Geehrte Gäste aus dem Kreis Ludwigshafen
Ratsmitglieder des Oppelner Kreises
Sehr geehrte Damen und Herren
„Mit unseren offenen Händen
bauen wir ein Haus,
Die vier Wände
bewohnen wir gemeinsam“
Tadeusz Śliwak „Bau des Hauses“
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist für mich eine Ehre, sie in eine der schönsten Gemeinden des Oppelner Kreises begrüßen zu dürfen.
Um die Ökologiewerte der Wälder, Teiche, Naturdenkmäler auf dem Gebiet der Gemeinde Tillowitz zu erhalten, wurde ganze Gemeinde in die Landschaftsschutzzone umfasst. Der Reichtum an Grünflächen und ein spezifisches Mikroklima macht die Gemeinde zur „grünen Lunge“ der Oppelner Woiwodschaft, ein Platz, wo viele Oppelner Erholung suchen. Schon in Kürze wird diese moderne Sportanlage, auf deren Gebiet wir diesen Partnerschaftsvertrag unterschreiben zu einen zusätzlichen Wert diese Region.
Sehr geehrte Damen und Herren
Die Wurzeln unsere Partnerschaft sollte man an der Wende der 70-ger und 80-ger Jahre suchen, wo die schwierige politische und wirtschaftliche Lage des Landes, zu einer Verarmung der Gesellschaft führte. In dieser schwierigen Zeit fanden sich Menschen die geholfen haben. Einer von Ihnen ist der hier anwesende Herr Paul Neumann. Er war der jenige, der vor 20 Jahren zusammen mit der Oppelner Bischofskurie eine Wohltätigkeitsaktion organisierte und unseren Landsleuten half. Aus seiner Initiative haben Sie meine Damen und Herren, uns in unseren Kreis besucht, und keine hat damals vermutet, dass der eintägige Höflichkeitsbesuch des Landrats Dr. Ernst Bartholomè und seiner Mitarbeiter zu diesen Erfolg, der Unterschreibung eines Partnerschaftsvertrages führen wird.
Ich denke, dass sie damals mit guten Erinnerungen aus unseren Kreis abgefahren sind, weil der hier anwesende Landrat Schröter die Kontakte nicht unterbrochen hatte, sondern im Gegensatz – wir wurden von ihm nach Deutschland eingeladen.
Im Juni des letzten Jahres waren wir ein paar Tage bei Euch. Wir hatten die Gelegenheit die Bildungs- und Administrationsstrukturen, sowie das System der Kreisverwaltung kennen zulernen, wir konnten auch sehen wie bei euch den Bedürftigen geholfen wird und wir konnten auch ein paar Industriebetriebe kennen lernen.
Unser Besuch hat schon die ersten Früchte getragen, im Januar dieses Jahres war bei uns zu Besuch Herr Walter Haaf, Eigentümer von einem Speditionsunternehmen, der daran interessiert ist eine Filiale seines Betriebes auf dem Gebiet unseres Kreises zu eröffnen.
Die Investition von Herrn Haaf wäre ein Gewinn für unsere Einwohner, sie würde neue Arbeitsplätze geben und sie würde den Lebensstandart der Menschen verbessern.
Es lässt sich also feststellen, meine Damen und Herren, dass in diesen Augenblick, die Kontakte zwischen unseren Ländern die Ebene gewechselt haben, aus der politischen auf die soziale und wirtschaftliche.
Einen Partnerschaftsvertrag können wir nicht nur auf die politische Dimension beschränken. Wir müssen daran denken, dass das Hauptziel unsere Tätigkeit, unsere Bürger und dessen Wohlergehen ist, dass die Politik nur eine zweitrangige Rolle spielen sollte im Bezug auf unsere Bürger. Die Partnerschaft sollte auf einer humanitären Basis der gegenseitigen Hilfe und Toleranz aufgebaut werden.
Ein sehr wichtiger Bereich unseren gemeinsamen Tätigkeit ist die Aktivisierung unsere Mitgliedsgemeinden und das genauso auf der polnischen wie auf der deutschen Seite, im Bereich der Anknüpfung von Partnerschaftskontakten.
Die vielseitige gemeinsame Tätigkeit zieht mit sich konkrete Formen der gegenseitigen Hilfe in Sozialangelegenheiten, bei der Realisierung von Wirtschaftlichen und Sozialen Unternehmungen. Es werden Bedingungen erschaffen für einen Erfahrungsaustausch zwischen Organisationen, es erlaubt uns den Jugendaustausch im Rahmen der Annäherung und gegenseitigen kennenlernens zu fordern, es ist eine Hilfe bei der vollständigen Entwicklung unsere Regionen.
Der Partnerschaftsvertrag, das sind nicht nur die unterschriebenen Dokumente, es ist vor allem ein gemeinsames Versprechen, das täglich realisiert werden soll und dessen Gestalt und Ausmaß von uns abhängig wird.
Bemerkenswert ist, dass unsere heutige Feier in der Zeit der positiven Verstärkung der deutsch-polnischen Verhältnisse stattfindet.
Auffallend ist auch die Intensität der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, gegenseitiges Interesse an verschiedenen Schichten des Gesellschafts- und Kulturlebens, sowie die unbestrittene Annäherung unserer Völker.
Wir stehen vor der großen Chance, durch die von unten aufgebaute Zusammenarbeit, durch die direkten Kontakte der Einwohner unserer Gemeinden, Schüler, Lehrer, Sportler, Organisatoren des Kulturlebens, stufenweise aber erfolgreich Vorurteile zu beseitigen, die auf beiden Seiten funktionieren und sind das Echo der letzten Kriege - für viele Deutsche die Zeit der Vertreibung, für die Polen der Besetzung.
Die Partnerschaft zwischen unseren Kreisen wird hoffentlich eine Basis der Verständigung zwischen den polnischen und den deutschen Volk, Voraussetzung einer Zusammenarbeit und Entwicklung der Wirtschafts-, Kultur- und Gesellschaftskontakte. Vor allem soll es aber unser Beitrag zu der Entwicklung des vereinigenden Europas sein, es soll die Freundschaft vertiefen, den Frieden und die Freiheit in der Welt stärken, es soll uns alle eine gemeinsame Toleranz lehren.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich heiße Sie also willkommen in unseren gemeinsamen Haus, dessen Fundament die beidseitige, ehrliche Freundschaft, Toleranz und Menschlichkeit ist. Im Haus, dass wir mit offenen Händen aufbauen, so dass es uns Sicherheit und Stabilität in der heutigen Welt geben wird.
Zum Schluss möchte ich alles, alles Gute wünschen, Träume sollen in Erfüllung gehen, und uns allen wünsche ich eine erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit.
Werner Schröter, Landrat des Kreises Ludwigshafen:
Sehr geehrter Herr Kollege Lakwa,
meine sehr geehrten Damen und Herren Kreistagsmitglieder,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen, liebe Freunde
"Wer keine Freunde hat, lebt nur zur Hälfte" sagt man in Frankreich, und der französische Moralist François de La Rochefoucauld, der im 17. Jahrhundert lebte, fügte hinzu, ein wahrer Freund sei das höchste aller Güter, aber "zugleich das, an dessen Erwerbung man am wenigsten denkt". Was die Franzosen also längst wussten, haben nach dem zweiten Weltkrieg endlich auch die Deutschen begriffen und sich darum bemüht, Freunde über die Landesgrenzen hinweg zu erwerben. Wen wundert es angesichts der eingangs genannten Zitate, dass gerade die Nachbarn im Südwesten zu den ersten gehörten und die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich für die Nachkriegsgenerationen - vor allem in der unmittelbar angrenzenden Pfalz - schon ähnlich selbstverständlich ist wie es für ihre Vorfahren die "Erbfeindschaft" war? Wir aus dem Landkreis Ludwigshafen würden uns freuen, wenn sich auch das Verhältnis zum Osten, nämlich zum polnischen Volk derart positiv entwickeln würde. Ein Teil des Weges ist ja in den letzten zehn, fünfzehn Jahren bereits zurückgelegt worden.
Mit unserem Besuch möchten wir nun - gemeinsam mit Ihnen - einen neuen Meilenstein setzen und zwischen dem Landkreis Oppeln und dem Landkreis Ludwigshafen eine offizielle Partnerschaft begründen. Mit Partnerschaften sind wir bisher sehr sparsam umgegangen. Eine offizielle Partnerschaft hat der Landkreis Ludwigshafen bislang nur mit vier Gemeinden in Südtirol, dem deutschsprachigen Teil Italiens. Sie besteht mittlerweile schon seit 38 Jahren. Darüber hinaus bestehen freundschaftliche Kontakte zum deutschen Saalkreis in Sachsen-Anhalt, zum Kreis Radviliskis in Litauen sowie zur Gemeinde Kinyami im afrikanischen Ruanda. An dieser verhältnismäßig geringen Zahl von Verbindungen mögen Sie erkennen, dass die Verantwortlichen unseres Landkreises mit dem Begriff Freund-schaft oder Partnerschaft recht vorsichtig umgehen. Eine tiefe Freundschaft darf unseres Erachtens nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss auch mit Leben erfüllt und am Leben gehalten werden. Dazu ist es notwendig, sich immer wieder Zeit füreinander zu nehmen, sich von Mensch zu Mensch zu begegnen, miteinander über Erfahrungen und Gedanken zu reden und auch gemeinsam Probleme anzugehen und zu lösen.
Die Auswahl seines neuen Partners hat sich der Landkreis Ludwigshafen deshalb nicht leicht gemacht. Ausgangspunkt war die Partnerschaft, die das Land Rheinland-Pfalz mit der Woiwodschaft Oppeln eingegangen ist. Sie wurde bei uns ausdrücklich begrüßt, und im Kreistag bestand über alle Fraktionen hinweg Einigkeit, dass man zu ihrem Gelingen mit beitragen sollte. Der Kreistag beschloss dann am 28. Februar 2000, eine Delegation in die Woiwodschaft zu entsenden, um einen geeigneten und interessierten Landkreis ausfindig zu machen. Aufgrund ihrer Struktur und persönlicher Kontakte standen insbesondere die Kreise Rosenberg und Oppeln im Blickpunkt. In beiden wurden die deutschen Gäste sehr herzlich aufgenommen.
In diesem Zusammenhang will ich meinem Vorgänger, Dr. Ernst Bartholomé, für seine Bemühungen um unsere Partnerschaft herzlich danken. Ich bedauere sehr, dass er uns leider nicht begleiten konnte.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde,
für die Entscheidung zugunsten des Landkreises Oppeln sprachen auch die engen Beziehungen zwischen der katholischen Pfarrgemeinde von Römerberg-Berghausen im Landkreis Ludwigshafen und der Heilig-Kreuz-Kirchengemeinde in Oppeln zusammen, die sich bereits vor etwa 20 Jahren entwickelt hatten. Als tragende Pfeiler für die Brücke vom Rhein zur Oder, die wir schlagen wollen, scheinen uns diese beiden tragfähig zu sein. Wir bauen dabei nicht zuletzt auf das persönliche Engagement von Herrn Paul Neumann, der einerseits "Motor" für die genannten Kontakte auf örtlicher Ebene war und sie nach wie vor pflegt, andererseits aber auch dem Landkreis bei der Suche nach einem polnischen Partner mit Rat und Tat zur Seite stand. Ich denke, er hat an dieser Stelle einen Sonderapplaus verdient.
Bei Ihren Besuch, sehr geehrter Herr Kollege Lakwa, im Landkreis Ludwigshafen im Juni 2002 hatten wir beide den ersten Kontakt und Sie schon damals erste Eindrücke aus dem Landkreis Ludwigshafen gewinnen können. Neben den offiziellen Termin konnten Sie und Ihre Delegation auch schon einen ersten Eindruck über die „Ars vivendi“ , also die Kunst der Pfälzer ihr Leben zu leben, gewinnen. Ich erinnere mich, dass Sie von den kulinarischen Genüssen der Pfalz, sei es das Essen , aber auch der Wein, sehr angetan, waren.
Da aber leider damals nicht alle von Ihnen in der Pfalz waren, will ich Ihnen nun den Landkreis in einigen Worten vorstellen.
Heute leben im Landkreis Ludwigshafen auf nur 30.488 Hektar über 150.000 Menschen. Kein anderer Landkreis in Rheinland-Pfalz weist eine größere Siedlungsdichte auf. Die Bewohner verteilen sich auf 25 Ortschaften. Einzige Stadt innerhalb der Kreisgrenzen ist Schifferstadt. Über eigene Verwaltungen verfügen weitere acht Gemeinden. Die anderen sind in eine der fünf Verbandsgemeinden eingegliedert. Die Kreisverwaltung befindet sich in der kreisfreien Stadt Ludwigshafen. Mit Frankenthal, Speyer und Worms grenzen an den Landkreis noch drei andere kreisfreie Städte unmittelbar an. Westlicher Nachbar ist der Landkreis Bad Dürkheim, an der weltweit bekannten Deutschen Weinstraße, Partner des polnischen Landkreises Kreuzburg (Kluczbork).
Wirtschaftlich profitiert der Landkreis Ludwigshafen von der chemischen Industrie, allen voran von der weltweit bekannten BASF, die sich vor rund 150 Jahren in der Stadt Ludwigshafen entwickelt hat und von seiner zentralen Lage im Rhein-Neckar-Dreieck, wo nicht nur die beiden viel besungenen Flüsse aufeinander treffen, sondern auch die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen. Diese Region, die zu den acht bedeutendsten Wirtschafts-Standorten Deutschlands zählt, ist trotz der Ländergrenzen in sich stark verflochten und verfügt - intern wie extern - über eine ausgezeichnete Verkehrserschließung. Das erklärt beispielsweise, warum der Landkreis Ludwigshafen die deutsche Pendler-Hochburg ist. Nirgendwo sonst fahren mehr Menschen nach auswärts zur Arbeit und nirgendwo sonst kommen mehr Menschen von auswärts zur Arbeit wie hier. Entsprechend niedrig ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis. Derzeit liegt sie unter 5 Prozent, im Vergleich zu 11,5 % (Feb. 2002) im Bundesgebiet .
Innerhalb des Landkreises dominiert der Dienstleistungsbereich. Er ist an der Bruttowertschöpfung mit über 70 Prozent beteiligt, während das produzierende Gewerbe inzwischen weniger als ein Viertel ausmacht. Die Landwirtschaft kommt zwar nur auf 4,4 Prozent der Bruttowertschöpfung, aber - das ist die Besonderheit im Vergleich zu anderen Regionen - mit steigender Tendenz. Der Erfolg unserer Landwirte hängt hauptsächlich damit zusammen, dass sie sich auf die örtlichen Gegebenheiten optimal eingestellt und den Landkreis zum "Gemüsegarten Deutschlands" gemacht haben. Ein sehr mildes Klima sowie gute Böden waren von jeher vorhanden, und der fehlende Niederschlag - in der Vorderpfalz regnet es so wenig wie in Jerusalem - wird seit den 70er Jahren über ein Beregnungssystem mit zentral gespeisten Rohrleitungen ausgeglichen.
Die Gesamtanbaufläche beträgt in Rheinland-Pfalz für Gemüse auf dem Freiland im letzten Jahr knapp 14.000 ha, wovon allein 9.670 ha im Landkreis LU (sowie den kreisfreien Städten Frankenthal, Ludwigshafen und Speyer) liegen, was fast 70 % der Anbaufläche des Landes entspricht. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging seit 1983 von 1.000 auf heute etwa 500 zurück. Der Vertrieb läuft zu einem großen Teil über den "Pfalzmarkt" zwischen Mutterstadt und Dannstadt-Schauernheim, der so viel Umsatz macht wie kein vergleichbarer Großmarkt in Deutschland (Umsatz 2000 120. Mio. DM, 113500 Tonnen Gemüse), sowie über den Obst- und Gemüsegroßmarkt in Maxdorf. Teilweise wird die erntefrische Ware auch direkt vom Hof aus an die Endverbraucher abgegeben.
Nicht unerheblich ist bei diesen nackten Zahlen die tatkräftige Unterstützung der polnischen Bevölkerung. Bereits zu Beginn der 70er Jahre waren sie zahlreich als Erntehelfer in diesem Bereich tätig. Hieraus entwickelten sich neben dem geschäftlichen auch persönliche Freundschaften. Man kann ohne Umschweife behaupten, dass der Erfolg des vorderpfälzischen Gemüses und der Absatz ohne diese Menschen nie erreicht worden wäre. Hierfür möchte ich auch meinen herzlichen Dank an die polnischen Erntehelfer aussprechen.
Die traditionell gute Ernährungssituation hat möglicherweise dazu beigetragen, dass der Landkreis Ludwigshafen auch überdurchschnittlich viele Spitzensportler hervorgebracht hat. Der weltweit erfolgreichste Behindertensportler "aller Zeiten", der querschnittsgelähmte Gewehrschütze Siegmar Henker, lebt ebenfalls im Landkreis und arbeitete bis vor wenigen Monaten bei der Kreisverwaltung, ebenso wie die frühere Ringer-Legende, Olympiasieger und Weltmeister Wilfried Dietrich, der noch heute weltweiten Ruhm genießt. Seinem VfK Schifferstadt verhalf er zu Lebzeiten zu etlichen Deutschen Mannschaftsmeisterschaften.
Der Fremdenverkehr spielt im Landkreis zwar eine wachsende, aber immer noch sehr untergeordnete Rolle. Seine landschaftlichen Reize locken hauptsächlich Erholungssuchende aus der Region an. An schönen Sommerwochenenden strömen immer wieder Zehntausende Ludwigshafener, Mannheimer und Bewohner anderer Städte in die Auwälder mit ihren Altrheinarmen und Baggerseen. Viele haben dort sogar ständig einen Wohnwagen zum Übernachten stehen. Damit die Landschaft darunter nicht zu arg leidet, wurde dafür eigens ein Campinggebiet eingerichtet - mit etwa 5.000 Parzellen, das größte in Deutschland.
Um Ihre Geduld nicht allzu sehr zu strapazieren, möchte ich das Portrait des Landkreises Ludwigshafen nun beenden, obgleich es noch vieles mehr vorzutragen gäbe. Vielleicht hat der eine oder die andere von Ihnen ja schon bald einmal Gelegenheit, sich mit eigenen Augen bei uns umzuschauen und die Vorderpfalz kennenzulernen. Wir laden Sie herzlich ein!
Gestatten Sie mir, meine Damen und Herren, noch einmal auf die Ziele dieser Partnerschaft zurück zu kommen.
Ich will dazu aus der Rede zitieren, die der Präsident der Republik Polen, Aleksander Kwaśniewski, anläßlich des "Tages der deutschen Einheit" genau vor einem halben Jahr in unserer Landeshauptstadt Mainz gehalten hat. Er sagte am 3. Oktober:
"Während nämlich das politische Klima für die Zusammenarbeit sehr gut ist, scheint ein durchschnittlicher Pole einem durchschnittlichen Deutschen eher fremd zu sein. Kommentatoren schreiben von so korrekten zwischenstaatlichen Beziehungen, daß man sie gar als langweilig bezeichnen könnte. Und dies ist auch ein Grund zur Freude. Traurig stimmt uns jedoch die Gleichgültigkeit, die sich beide Bevölkerungen manchmal gegenseitig entgegenbringen. Wenn es tatsächlich unser Wunsch ist, in der deutsch-polnischen Partnerschaft und Symbiose neue Qualitäten zu erzielen, so ist es auch an der Zeit, eine solche Zusammenarbeit zu pflegen, die Millionen von Menschen umfassen könnte, die von den Arbeitszimmern und Kongreßsälen hinaus auch in Firmen, Schulen, Redaktionen, Kinos und in den Fußgängerzonen unserer Städte gelebt werden könnte, die Früchte bringt in Form von neuen Bekanntschaften und Freundschaften, in gemeinsamen Unternehmungen und gemeinsamen Zukunftsvisionen.
Ich teile seine Auffassung, dass sich das natürlich nicht dekretieren und nicht anordnen lässt. Präsident Kwasniewski hat Recht, wenn er Polen und Deutschen eine "historische Allergie gegen das händische Steuern ihrer Vorlieben und Abneigungen" unterstellt. Auf deutscher Seite gilt das in besonderem Maße für uns Pfälzer. Nicht umsonst haben 1832 Pfälzer und Polen beim Hambacher Fest, im Herzen der Pfalz, Seite an Seite für die Freiheit und ein einiges Europa demonstriert.
Noch heute gilt die Heilige Hedwig aus Andechs , die mit Herzog Heinrich I. aus Schlesien verheiratet war, als Wegbereiterin des Friedens zwischen dem deutschen und dem polnischen Volk.
Solche historischen Gemeinsamkeiten und Parallelen müssen wir einer breiten Öffentlichkeit wieder bewusst machen. Dazu gehört auch die Entwicklung in jüngster Zeit. Waren es nicht die Polen, die mit der Gründung der Gewerkschaft Solidarnosz den Stein ins Rollen brachten, der zu guter Letzt den Eisernen Vorhang platt gewalzt hat? Hätten unsere Landsleute in den östlichen Bundesländern ohne dieses Beispiel den Mut gefunden, sich gegen ihr Regime aufzulehnen? Und vergessen wir auch nicht Papst Johannes Paul der II. aus Polen, der sich wie kein anderer vor ihm bemüht hat, alte Gräben zuzuschütten, insbesondere das Leid des Weltkrieges aufzuarbeiten und vergessen zu machen.
Wenn ich heute hier vor Ihnen stehe, meine sehr geehrten Damen und Herren, und darum bitte, das große Unrecht, das Millionen von unschuldigen Menschen wiederfahren ist, nach mehr als einem halben Jahrhundert zu vergessen, so tue ich dies als Betroffener, der selbst als Kleinstkind mit seiner Familie die Heimat in Ostpreußen, heute Teil Russlands, verlassen musste. Meine Mutter konnte die Heimat zeitlebens nicht vergessen, wir, die Nachfolgegeneration haben unsere Wurzeln jedoch in der Pfalz geschlagen und erkennen Realitäten an, worum ich alle Andersdenkende ausdrücklich bitten möchte.
Lassen Sie mich also deutlich machen, dass wir uns nahe stehen, dass wir nicht nur nebeneinander als Gesellschaften und Staaten existieren , sondern, dass wir miteinander unter demselben europäischen Dach leben und gemeinsam ein künftiges Europa gestalten wollen. Niemand soll deswegen seine Traditionen über Bord werfen und seine Besonderheiten abstreiten. Es geht darum, uns gegenseitig zu respektieren und schätzen zu lernen. Die Vielfalt der Regionen im künftigen Groß-Europa ist wichtig und wird ein wichtiges Element darstellen. Nehmen Sie zum Vergleich ein Mosaik: Viele kleine Steinchen unterschiedlicher Formen und Farben bilden hier gemeinsam ein harmonisches Bild, das erst durch die Vielfalt seine Reize erhält. Entscheidend ist, dass die richtigen Einzelteile zusammengebracht werden. Dass durch unsere Partnerschaft die richtigen Menschen zu einer großen, dauerhaften Freundschaft zusammengebracht werden, davon bin ich überzeugt.
Um dies zu beschleunigen haben wir unsere Delegation bunt gemischt, um erste Brückenschläge zwischen den Landkreisen Oppeln und Ludwigshafen in die Wege zu leiten.
Ich möchte Ihnen daher unsere Delegation aus dem Landkreis Ludwigshafen kurz vorstellen.
Ich darf Ihnen die Kreisbeigeordnete Ursula Heberger und die Herrn Kreisbeigeordneten Elster und Hofmann vorstellen. Frau Heberger ist zuständig für die Landespflege, Umweltschutz und Umweltberatung, Herr Elster zeigt sich zuständig für die Schulen und Bäder sowie die Abfallentsorgung und Herr Hofmann für die Kreismusikschule und –volkshochschule im Landkreis. Vertreter der Kreistagsfraktionen sind ebenfalls vertreten, Frau Heyne und Herr Heller von der CDU, Herr Roos und Frau Brauer von der SPD, Frau Patzelt von der FWG, Frau Hohl von der FDP, Herr Schneider von den Grünen sowie Herr Hellwig von den Republikanern.
Von der südlichsten Kreisgemeinde Römerberg ist Herr Bürgermeister Scharfenberger mit von der Partie.
Zwei Vertreter der Presse haben uns ebenfalls auf den Weg nach Schlesien begleitet. Herr Rolf Sperber und Herr Gereon Hofmann, die täglich Bereichte über unseren Besuch in die Heimat schicken. Ich bitte um wohlwollende Berichterstattung.
Die Sänger im Kreis sind vertreten durch Herrn Erich Armbrüster.
Die Interessen des Sports vertritt Frau Margitta Moeller, die stellvertretende Vorsitzende des Sportkreises.
Wie eingangs schon erwähnt, begleitet auch Herr Paul Neumann, der auch schon bei der ersten Besuchsreise im August 2001 in Oppeln dabei war, die Delegation.
Last but not least darf ich Ihnen meinen Persönlichen Referenten, Herrn Timo Zieger vorstellen, der sich für das organisatorische verantwortlich zeigt.
Ich darf Sie an dieser Stelle schon bitten, in regen Gesprächen mit unseren Delegationsteilnehmern künftige Aktivitäten beider Landkreise anzureißen und evtl. auf den Weg zu bringen
Erste Anhaltspunkte für eine positive Entwicklung gibt es bereits, worüber ich mich sehr freue. Ich denke dabei vor allem an die Aktivitäten der Spedition Haaf aus Römerberg, die im Landkreis Oppeln eine neue, zusätzliche Niederlassung aufbauen möchte und inzwischen bereits mehrere Mitarbeiter von hier in ihren Reihen hat. Sobald das polnische Wirtschaftsministerium die erforderliche Konzession erteilt hat, können die nächsten Schritte auf dem Weg zu dieser konkreten Zusammenarbeit zurückgelegt werden. Wie ernst es dem Unternehmen damit ist, sehen Sie daran, dass Herr Haaf und sein Prokurist Herr Hauck unserer Reisegruppe ebenfalls angehören.
Bevor ich das Rednerpult wieder frei mache, meine Damen und Herren, möchte ich allen Vertreterinnen und Vertretern des Landkreises Oppeln für ihre Gastfreundschaft danken. Sie haben uns schon jetzt wie alte Freunde empfangen, weshalb ich äußerst zuversichtlich bin, dass wir mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde heute etwas Sinnvolles, gleichzeitig aber auch ein Herzensanliegen beider Seiten in die Tat umsetzen. Lassen Sie uns gemeinsam an einer glücklichen Zukunft in Frieden und Freiheit weiterarbeiten - für den Landkreis Oppeln und den Landkreis Ludwigshafen, für die Pfalz und Schlesien, für Polen und Deutschland sowie für ganz Europa.
Als Dankeschön für Ihren herzlichen Empfang habe ich Ihnen ein Geschenk mitgebracht. Es handelt sich um 3 Bilder der Wormser Künstlerin Gaby Gens-Manz, die Rathäuser in den Landkreisgemeinden Altrip, Mutterstadt und Böhl-Iggelheim zeigen. Die Bauweise ist typisch für den Südwestdeutschen Raum in der vor-vorigen Jahrhunderten.
Das Erdgeschoss rustikal und stark gefertigt aus Pfälzer Sandstein, darüber der Fachwerkaufbau. Die Bilder sind aquarellierte Radierungen, die den Gebäuden eine gewisse Heiterkeit verleihen und durch die moderne Arbeitstechnik der Künstlerin den Motiven auch auf ihren aktuellen Bezug in der Gemeinde hinweist.
Gleichzeitig will ich bereits heute eine Einladung an die Vertreter des Landkreises Oppeln zu einem Gegenbesuch in den Landkreis Ludwigshafen aussprechen. Als Besuchszeitraum erschien unserem Kreisvorstand die Zeit zwischen dem 12. bis 15. September 2002 als geeignet. Die Zeit der Weinlese in der Pfalz, die von vielen Gästen als die schönste Jahreszeit in unserer Heimat bezeichnet wird.
Sie sind herzlich bei uns willkommen.


