Die Integrierte Gesamtschule
Grundsätzliches
Die Integrierte Gesamtschule (IGS) ist eine weiterführende Schule. Sie nimmt Schülerinnen und Schüler nach der vierten Klasse der Grundschule auf. In der Bundesrepublik gibt es mehr als 1.000 Gesamtschulen, in Rheinland-Pfalz z.Zt 14 (August 1998).
Gesamtschulen bieten in der Nähe des Wohnortes der Schülerinnen und Schüler alle Bildungsabschlüsse an. Die Entscheidung, welcher Abschluss erreicht werden kann, ist offen bis in Klasse 9. Sie hängt von den Leistungen in der Jahrgangsstufe 9 bzw. 10 ab.
Jüngere Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz sind in der Regel vierzügig, d.h. in jeder Jahrgangsstufe gibt es vier Klassen. In jeder Klasse werden Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Begabungen unterrichtet, ähnlich wie es in Grundschulen ist. Durch das gemeinsame Lernen werden soziale Erfahrungen gesammelt. Damit sollen gegenseitiges Verständnis und Hilfsbereitschaft gefördert werden. Unterstützt wird dies auch dadurch, dass die Klasse von der Jahrgangsstufe 5 bis 9 zusammenbleibt. Versetzungen und Wiederholungen gibt es nicht. Jede Klasse hat zwei Tutoren/Tutorinnen. Diese betreuen die Klasse bis zur Klasse 10. Zur Regelung klasseninterner Probleme gibt es eine Klassenratsstunde pro Woche. Die Leitung dieser Stunde liegt in den Händen der Schülerinnen und Schüler. Die jüngeren Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz sind weiterhin als Teamschulen organisiert, d.h. das Jahrgangsteam der Lehrerinnen und Lehrer übernimmt möglichst viel Unterricht im Jahrgang. Damit sollen zusätzliche stabile soziale Beziehungen geschaffen werden.
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten bieten die Integrierten Gesamtschulen Arbeitsgemeinschaften (AG) an. Hier können Schülerinnen und Schüler außerhalb des regulären Unterrichtsangebotes nach ihren Neigungen Zusatzangebote auswählen.
Zur speziellen Förderung werden an der IGS nach Möglichkeiten Förderkurse in einzelnen Fächern angeboten.
Orientierungsstufe (Klasse 5 und 6)
In jede Klasse werden aus allen Notengruppen Kinder aufgenommen. Der Unterricht erfolgt in allen Fächern im Klassenverband. Die Schülerinnen und Schüler lernen in Tischgruppen. Hier sitzen Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammen. Sie sollen sich gegenseitig helfen, beraten und unterstützen. Um auf ihre unterschiedlichen Möglichkeiten eingehen und individuell fördern zu können, werden durch die Lehrenden binnendifferenzierende Maßnahmen eingesetzt. Dabei erhalten die Schülerinnen und Schüler gezielte Hilfen, unterschiedliche Übungsangebote oder Zusatzaufgaben. In manchen Fächern wird darüber hinaus Unterricht in halben Klassen angeboten. Damit wird es möglich, die Kinder besser in ihren Lernmöglichkeiten kennen zu lernen und gezielt zu fördern.
Neben den bekannten Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Bildende Kunst, Biologie, Sport usw. gibt es an den Integrierten Gesamtschulen das Fach Gesellschaftslehre (GL). Hier werden fächerübergreifend Inhalte aus den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde unterrichtet. In diesem Fach lernen die Schülerinnen und Schüler von der 5. bis zur 10. Klasse im Klassenverband.
Zur Unterstützung des sozialen Lernens und des gegensetitigen Kennenlernens findet in der fünften Klasse ein gemeinsamer Landschulheimaufenthalt statt.
Fachleistungsdifferenzierung (FL)
Ab der Klassenstufe 7 beginnt die sogenannte Fachleistungsdifferenzierung. Hier werden die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrem Lernverhalten und ihren Leistungen in Kurse eingeteilt.
In Jahrgang 7 müssen die Fächer Mathematik und Englisch differenziert werden. Spätestens ab Jahrgang 8 kommt Deutsch hinzu. Ab Jahrgang 9 findet in den Naturwissenschaften (Biologie, Chemie und Physik) ebenfalls Differenzierung statt.
Es werden mindestens zwei Kursniveaus gebildet. Für die Schülerinnen und Schüler erfolgt eine Einstufung in den G-Kurs (Grundkurs) oder den E-Kurs (Erweiterungskurs). Im Grundkurs werden grundlegende Inhalte des jeweiligen Faches vermittelt; im E-Kurs kommen zusätzliche und weiterführende Themen hinzu.
Einige Schulen bilden drei Kurse. Es gibt dann einen G-Kurs, einen E1-Kurs und einen E2-Kurs. Im E1-Kurs orientieren sich die Lerninhalte an den Lehrplänen für einen mittleren Bildungsabschluss, im E2-Kurs an den Lernzielen eines Oberstufenabschlusses.
In unterschiedlichen Fächern können die Schülerinnen und Schüler in verschieden Kursniveaus sein, z.B. Deutsch E1-Kurs, Mathematik G-Kurs, Englisch E2-Kurs. Je nach Leistungsverhalten kann zu jedem Zeugnis eine Umstufung in einen anderen Kurs erfolgen.
Um relativ stabile soziale Beziehungen zu gestalten und zu ermöglichen, werden jeweils zwei Klassen einer Jahrgangsstufe "gekoppelt". Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler dieser beiden Klassen in den Kursen zusammengefasst werden.
Wahlpflichtfächer (WPF)
Im Jahrgang 7 wählen die Schülerinnen und Schüler ein zusätzliches viertes "Hauptfach". Sie können dabei aus einem Angebot der Schule wählen. Wichtig dabei ist, dass sie ein Fach aussuchen, dass ihren Interessen und Neigungen entspricht. Dieses Fach wird vierstündig unterrichtet.
Mögliche Angebote können sein: eine weitere Fremdsprache (in der Regel Französisch), CIT (Computer, Informatik, Technologie), Ökologie, AWT (Arbeit-Wirtschaft-Technik), Darstellendes Spiel (Theater), Musik, Sport (Sport und Gesundheit), Kunsthandwerk - Handwerkskunst usw.
Eine vierzügige Gesamtschule bildet sechs Gruppen. Die Schülerinnen und Schüler des gesamten Jahrganges werden in den WPF-Fächern zusammengefasst. Die Note im WPF wird bei der Abschluss- oder Übergangsentscheidung gleichwertig zu den Noten in Deutsch, Englisch, Mathematik gewertet.
Zeugnisse
Die Schülerinnen und Schüler erhalten zu jedem Schul-habljahr - wie in anderen Schulen - ein Ziffernzeugnis. Darin sind die jeweiligen Noten für die einzelnen Fächer und die jeweiligen Kursniveaus ausgewiesen. Zusätzlich erhalten sie eine sogenannte Verbale Beurteilung (VB). Diese ist in Form eines Briefes an die Schülerinnen und Schüler angelegt. Auf Anregung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer halten die Tutorinnen und Tutoren darin fest, wo beispielsweise besondere Leistungsstärken liegen, wo Verbesserungen möglich sind, wie die Zusammenarbeit mit den Mitschülerinnen und Mitschülern aussieht usw. Ab der Jahrgangsstufe 8 enthält die VB auch eine Prognose. Dar-in wird mitgeteilt, welchen Abschluss der Schüler bzw. die Schülerin mit den aktuellen Leistungen erreichen kann.
Praktika
Die IGS misst der Berufsorientierung der ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler große Bedeutung zu. Neben der Aufarbeitung dieser Thematik im "Offenen Lernen" zählt hierzu ein Betriebspraktikum. Es wird in der achten oder neunten Klasse durchgeführt. Dabei sollen Eindrücke aus der Arbeitswelt vermittelt werden. Gleichzeitig erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihren Wunschberuf in der praktischen Erfahrung kennen zu lernen.
Abschlüsse
Die IGS vrgibt alle Abschlüsse, die das gegliederte Schulwesen auch kennt. Nach erfolgreichem Abschluss der Jahrgangsstufe 9 wird der Hauptschulabschluss vergeben. Bei ausreichenden Leistungen wird die Berechtigung zum Übergang in die Jahrgangsstufe 10 vergeben. Am Ende der Klasse 10 können - je nach Leistungsvermögen - der Abschluss "Mittlere Reife" oder der Übergang in die Oberstufe vergeben werden. In der Oberstufe bieten die Gesamtschulen den Abschluss "Abitur" an. Die Oberstufe ist genauso gestaltet und organisiert wie die MSS (Mainzer Studienstufe) an Gymnasien. Möglich sind aber auch berufsqualifizierende Abschlüsse. Erste Ansätze gibt es dazu an dem Schulmodell Rockenhausen.
Welcher Abschluss wann vergeben werden kann, regelt in Rheinland-Pfalz die LVO (Landesverordnung über die Integrierten Gesamtschulen). Darin sind auch andere Bedingungen der IGS geregelt.
Übersichtsgraphik
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Quelle: http://members.tripod.de/sgaertner/igs.htm



